Freie evangelische Gemeinden: Weg frei für PastorinnenPräses Ansgar Hörsting: Gemeinsamkeit trotz unterschiedlicher Erkenntnisse wahrenDietzhölztal – Im Bund Freier Evangelischer Gemeinden dürften künftig Frauen als Pastorinnen arbeiten. Mit großer Mehrheit stimmten die Gemeindedelegierten und Pastoren der Freikirche auf ihrem jährlichen „Bundestag“ am 18. September in Dietzhölztal-Ewersbach/Mittelhessen für einen Antrag der Bundesleitung. Einer idea-Meldung zufolge überlässt es der Bund den Gemeinden, ob sie Frauen berufen. Der Antrag erhielt 437 von 573 abgegebenen gültigen Stimmen und übertraf mit 76,3 Prozent deutlich die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Im Jahr 2008 war die Zwei-Drittelmehrheit für die Einführung von Pastorinnen mit 64 Prozent knapp verfehlt worden. Seit 2005 hat sich der FeG-Bundestag mit diesem Thema befasst. Unter den Freikirchen halten die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK), die Siebenten-Tags-Adventisten, Brüdergemeinden und russlanddeutsche Gemeinden daran fest, dass Pastoren Männer sein müssen. Nach dem Beschluss des FeG-Bundestags warb Präses Ansgar Hörsting (Witten) erneut darum, die Gemeinsamkeit in der Freikirche trotz unterschiedlicher Erkenntnisse zu wahren. Niemand dürfe sich als Sieger oder Verlierer fühlen. Vielmehr solle man in Demut miteinander umgehen und „das Reich Gottes suchen“. In der Erläuterung des Antrags der Bundesleitung sagte er, in dem seit zehn Jahren anhaltenden Meinungsbildungsprozess sei deutlich geworden, dass es bei der Pastorinnenfrage innerhalb der FeG unterschiedliche, auf der Bibel gründende Einschätzungen gebe. Der Nürnberger Pastor Friedrich Zahn erklärte, es sei „unrealistisch“ zu meinen, man könne mit zwei unterschiedlichen biblischen Erkenntnissen in einem Gemeindebund leben. Der Antrag der Bundesleitung missachte die in der Bibel vorgegebene unterschiedliche Beauftragung von Frauen und Männern. Im Kern gehe es um die Frage, ob Aussagen der Bibel auch heute gelten oder als kulturbedingt und damit als überholt verstanden werden sollten. In der Aussprache verteidigten unter anderen der Rektor des Theologischen Seminars Ewersbach der FeG, Michael Schröder, und sein Vorgänger Wilfried Haubeck den Antrag der Bundesleitung. Die Argumente der Befürworter seien ebenfalls biblisch begründet. Der Bund zählt 38.400 Mitglieder in 454 Gemeinden und gehört zu den wachsenden Freikirchen in Deutschland. Beim Bundestag wurden fünf Gemeinden aufgenommen: Altenburg (Thüringen), Brüchermühle (Sauerland), Eching bei München, Renningen bei Stuttgart und Ulm. Im Jahr 2006 hatte sich die Freikirche das Ziel gesetzt, 100 Gemeinden bis 2015 zu gründen. Im Augenblick sind es 40; bis Ende des Jahres könnten es 50 werden, hieß es auf dem Bundestag.
Klaus Rösler |