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Ostern mal so richtig gefeiert!

Die Grazer Baptistengemeinde feierte Ostern dieses Jahr besonders…


Ein Grund zum Feiern

Für Freikirchler sind die großen christlichen Festtage, wie z.B. Ostern, ja bekanntlich eher zum Urlaub machen als zum Gottesdienst feiern willkommen. Dies sollte vom Angebot in der Baptistengemeinde Graz heuer anders herum laufen. In den letzten Jahren wurde, neben dem traditionellen Abendmahl am Gründonnerstag und dem Gottesdienst am Ostersonntag, auch ein meditativer Gottesdienst am Karfreitag veranstaltet. In diesem Jahr gab es nun noch eins oben drauf. Für die Taufe der 8 Täuflinge (eine Deutsche, zwei Aserbaidschaner, fünf Österreicher) suchte man ein besonderes wie historisches Datum. Wie in der Alten Kirche entschied man sich, die Taufe in die Osternacht zu legen, in der bekanntlich am Anfang der Christenheit die Taufen konzentriert wurden, bis es schließlich zu viele wurden. Doch fangen wir von vorne an.

Gründonnerstag Zunächst begann man den letzten Abend des Herrenmahls mit einem gemeinsamen Abendessen. Jeder brachte etwas mit: Salate, Brot, Käse, Wurst und anderes mehr dazu, sodass am Ende mehr zusammen kam, als die Schar der 38 Personen, samt Kind und Kegel, essen konnte. Hier wurde rege geplaudert und fröhlich gespeist.
Als besondere Gäste war der ehemalige Generalsekretär des Baptistenbundes aus Aserbaidschan Elnur Jabiyev mit seiner Familie aus London angereist. Sie wollten es sich nicht nehmen lassen bei der Taufe der Schwiegermutter und des jüngsten Schwagers dabei zu sein. Nach dem Essen im Kaffeeraum ging es im Gottesdienstraum weiter, wo das Brot gebrochen und der Wein (Traubensaft) gereicht wurde. Eine Zeit des Lobpreises und Dankens mit Liedern und gesprochenen Gebeten schloss sich an, bis man sich an den Händen fassend mit dem gesungenen Liedtext verabschiedete: „Die wir uns allhier beisammen finden, schlagen unsere Hände ein. Uns auf deine Marter zu verbinden, dir auf ewig treu zu sein.“

Karfreitag Kommt man aus Deutschland nach Österreich fällt eines in der Karwoche besonders auf: Karfreitag ist kein Feiertag. So sind die Gottesdienstbesuche der Christen evangelischer Couleur auf den Abend des Karfreitags konzentriert. Schon im letzten Jahr haben wir einen meditativen Gottesdienst angeboten. Der Gottesdienst ist mehr auf Besinnung, Stille, Betrachten, Lesung ausgerichtet. Die Passionsgeschichte nach Johannes wurde in verschiedenen Rollen vorgetragen. Eine Bildbetrachtung des Isenheimer Altars lud zum Verweilen ein. Die Lieder, z.B. „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ wurden ohne Instrumente gesungen. Die wenigen 13 Besucher gingen gestärkt und zuversichtlich ob des grausamen Karfreitaggedenkens dem Höhepunkt des Ostergeschehens entgegen. Nicht Trauer über einen Verstorbenen ist hier der Mittelpunkt, sondern das Aushalten und Verweilen an dem schrecklichen Ort, wo unsere Schuld und Sünde ein für allemal bezahlt wurde.

Karsamstag/ Osternacht Sehr spät, um 22 Uhr, waren die Freunde und Mitglieder der Gemeinde, sowie die Gäste und Verwandten der Täuflinge zu einem erstmaligen Gottesdienst dieser Art eingeladen worden. Beginnend mit völliger Dunkelheit im Raum, zog eine Gruppe weißgekleideter Menschen in den Gottesdienst ein. Der Täufer trug dabei eine brennende Osterkerze vor sich. Beim Gesang: „Licht bricht durch in die Dunkelheit“ wurden erst die Kerzen der ihm folgenden Täuflinge entzündet, die dann ihr Licht den Gottesdienstbesuchern weitergaben, die mit ihren Kerzen an ihren Plätzen auf Erleuchtung in der Dunkelheit warteten. Verschiedene Lesungen wurden unter immer heller werdender Lichteinwirkung vorgetragen:
die Schöpfungsgeschichte, der Exodus, die Umwandlung in fleischerne Herzen, die Taufe, bis zum Predigtext aus 1. Kor. 15, der kurz und prägnant das Osternachtgeschehen auslegte. Den Taufbekenntnissen und dem gemeinsam gesprochenen Glaubensbekenntnis (dem Nicaeno-Constantinopolitanum), folgte der Taufritus durch Untertauchen. Ein fröhlich gesungenes Halleluja begleitete die völlig durchnässten, aber tief im Herzen ergriffenen Täuflinge in die Umkleidekabinen. Dem Lobpreis der Gottesdienstgemeinde folgte die mit Handauflegung vollzogene Segnung der Täuflinge. „Willkommen in Gottes Familie“, hieß es schließlich, bevor die ganze Gottesdienstversammlung der ca. 100 Personen sich nebenan zum Fastenbrechen mit Osterjause begaben. Die Nacht wurde froh und früher.

Ostersonntag Wohl nur 64 hart gesottene Gottesdienstbesucher standen am Sonntagmorgen zum Familiengottesdienst wieder froh und singend zum Lobe des Auferstandenen zu-sammen. Die Verkündigung übernahmen die Sonntagsschulkinder mit ihren Gruppenmitarbeitern, die die Ostergeschichte mit selbstgeschossenen Fotos nacherzählten. So manche zum Schmunzeln anregende Szene oder ein Kommentar der Jüngsten, gestaltete diese Ostergeschichte sehr kurzweilig. Beim Lobpreis nahm man es wortwörtlich, dass Alte und Junge den Namen des Herrn anrufen sollten. Kinder und Erwachsene stimmten ihre Gebete zwischen den Lie-dern an. Und eins ums andere ertönte der Ostergruß: „Der Herr ist auferstanden!“ mit antwortender Gewissheit: „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Wie an jedem Sonntag in der Grazer Baptistengemeinde endet der Gottesdienst mit dem Kirchencafé. Doch am Ostermorgen, nach mancher Fastenzeit, schmeckte der Kaffee sicherlich noch einmal ganz anders als gewöhnlich.

Willkommen dabei!


Bruno Gasper
Pastor der Baptistengemeinde Graz